Rote Zahlen im Fashion-Webshop? Ab welcher Retourenquote “kippt” die Rendite?

zuletzt aktualisiert am 6. Dezember 2016 von Winfried Eitel

Abwicklungskosten bei Endverbraucher-Retouren – Zahlenbeispiele

Retoure

Bereits in der Vergangenheit hat­ten wir auf die ho­he Bedeutung der Retourenkosten für den eCom­mer­ce mit Bekleidung hin­ge­wie­sen. Die Retourenquote ist DER Stellhebel für die Wirtschaftlichkeit Ihres Webshops. Wir zei­gen Ihnen  ei­ne Übersicht der zu be­rück­sich­ti­gen­den Kostenpositionen, die Sie leicht mit Ihren ei­ge­nen Werten ab­glei­chen kön­nen. Sind die Aufbereitungskosten der zu­rück­ge­sand­ten Bekleidung wirk­lich die größ­te Kostenposition? Für je­de Retourenquote kön­nen Sie die Abwicklungskosten je ver­kauf­tem Teil er­mit­teln und mit Ihrem Deckungsbeitrag ab­glei­chen. Ab wel­cher Retourenquote kippt das Verhältnis? Wie weit muss die Retourenquote bei ein­zel­nen Produktgruppen „run­ter“, da­mit Sie in die Gewinnzone kom­men?

Die Retourenquote

Die Retourenquote hat die zen­tra­le Rolle, wenn Sie die Wirtschaftlichkeit der ei­ge­nen eCommerce-Aktivitäten ver­bes­sern wol­len. Damit Sie die er­staun­li­che Hebelwirkung der Retourenquote auf die Abwicklungskosten und den Gewinn er­ken­nen und kom­mu­ni­zie­ren kön­nen, sind ver­schie­de­ne Kostenpositionen zu be­trach­ten. Diese va­ri­ie­ren je nach Geschäftsmodell al­ler­dings zum Teil er­heb­lich. Für ei­nen ers­ten Blick auf die Zusammenhänge in Ihrem Unternehmen sind zu­nächst Schätzwerte völ­lig aus­rei­chend. Sie wer­den spä­ter er­ken­nen, war­um das so ist.

Mit den nach­fol­gen­den Aufstellungen ge­ben wir Ihnen Hinweise, wel­che Positionen Sie bei der Berechnung be­rück­sich­ti­gen soll­ten.

Kosten je Aussendung

Für die Vermarktung müs­sen Sie ent­we­der ei­ne Provision an ei­ne Handelsplattform be­zah­len, oder Sie neh­men die Vermarktung sel­ber in die Hand und müs­sen ent­spre­chend hö­he­re Online-Marketing-Kosten (z.B. Google-Adwords) be­zah­len. Machen Sie sich klar, dass Handelsplattformen auf­grund der fäl­li­gen Provisionszahlungen ten­den­zi­ell kein Problem mit gro­ßen Warenkörben (und den zwangs­läu­fig fol­gen­den Retouren) ha­ben. Im Gegenteil!

Aussendungskosten je TeilFür die Kommissionierung und den Versand der Waren fal­len in­ter­ne und/oder ex­ter­ne Bearbeitungs­kosten an. Zusätzlich müs­sen Sie Verpackungsmaterial, Etiketten und Formulare bei der Kalkulation be­rück­sich­ti­gen.

Fracht bzw. Porto er­ge­ben sich aus der Vereinbarung mit Ihrem Paketdienst. Haben Sie Sonderservices (z.B. Nachnahme, Abholfenster) be­rück­sich­tigt?

Für die Zahlungsabwicklung zah­len Sie z.B. di­rek­te Gebühren an die Kreditkartengesellschaft. Sichert Ihr Payment-Anbieter auch das Zahlungsausfallrisiko, sind ent­spre­chend hö­he­re Gebührensätze zu be­rech­nen.

Wenn Sie Ihren Kunden Ausgangfrachten be­rech­nen, müs­sen Sie die­se  ent­spre­chend als Minusbeträge ab­zie­hen.

In der Summe er­hal­ten Sie die Kosten, die je Aussendung ei­nes Teiles an­fal­len. In un­se­rem Beispiel sind pro ver­sand­tem Teil Kosten in Höhe von 15,50 EUR kal­ku­liert.

Kosten je Retoure

Retourenkosten je TeilÄhnlich ver­fah­ren Sie bei der Ermittlung der Retourenkosten. Wie hoch sind die an­fal­len­den Paketkosten? Wie auf­wän­dig ist der Retourenprozess? Kosten für die Warenannahme, die Aufbereitung (bü­geln, Fleckenbehandlung, eti­ket­tie­ren) sind zu er­mit­teln. Vielleicht ha­ben Sie ja auch ei­ne Preisliste Ihres Logistikers. Überschlägig sind die Ausschussquote und die durch­schnitt­li­chen Preisnachlässe je re­tour­nier­tem Teil zu er­mit­teln. Ggf. rech­nen Sie noch Entsorgungskosten für Verpackungsmaterial und Ausschuss hin­zu. Die seit Sommer mög­li­che Beteiligung der Kunden an den Retourenkosten ha­ben wir als „Merkposition“ in das Schema ein­ge­baut. Hier wür­den dann ent­spre­chend ne­ga­ti­ve Werte ein­flie­ßen. Die bei­spiel­haft er­mit­tel­ten 8,10 € über­neh­men wir in die wei­te­ren Berechnungen.

Kostenbelastung je verkauftem Teil

Multiplizieren Sie die je Teil er­mit­tel­ten Werte mit der Anzahl der Warenbewegungen. Sie er­hal­ten dann die Gesamtkosten und kön­nen die Kosten je (echt) ver­kauf­tem Teil er­mit­teln.

Gesamtkosten-Retouren

Beispiel: Bei ei­ner Retourenquote von 50 % müs­sen Sie 200 Teile ver­sen­den und 100 als Retoure be­ar­bei­ten, um 100 ver­blei­ben­de, „ech­te“ Verkäufe zu er­zie­len. Die Kosten der “echt” ver­kauf­ten Teile be­tra­gen (in un­se­rem Beispiel) dem­nach 200 * 15,50 EUR für die Aussendung und 100 * 8,10 EUR für die Retouren.

Abwicklungskosten je Retourenquote

Bei welcher Retourenquote ist Ihr Deckungsbeitrag aufgezehrt?

Für die 100 ver­kauf­ten Stück fal­len al­so 3.910 EUR Gesamtkosten bzw. 39,10 EUR je Teil an. (Frage am Rande: Wie hoch sind im Vergleich Ihre Herstell- bzw. Einkaufkosten je Stück?)

Bei ei­ner Retourenquote von 60 % ist die­ser Wert der Abwicklungskosten um 30 % (!) hö­her und be­trägt 50,90 EUR. Gelingt es Ihnen, die Retourenquote auf 40 % zu re­du­zie­ren, sin­ken die Kosten auf 31,23 EUR.
Wie Sie in der Abbildung se­hen kön­nen, ver­än­dern sich die Gesamtkosten nicht li­ne­ar mit der Retourenquote son­dern stei­gen – ge­ra­de bei ho­hen Retourenquoten – über­pro­por­tio­nal. Dieser wich­ti­ge Effekt wird häu­fig un­ter­schätzt.

Bei ei­ner ho­hen Retourenquote lau­fen Sie sehr schnell Gefahr, mit Ihren Produkten in die ro­ten Zahlen rut­schen. Die Gewinnveränderung je ver­kauf­tem Teil ver­än­dert sich eben­falls über­pro­por­tio­nal.

Beispiel: Haben Sie Produkte mit ei­nem Deckungsbeitrag von 75 EUR / Stück, wer­den bei ei­ner Retourenquote von 50 % be­reits 39,10 EUR durch die rei­ne Abwicklung auf­ge­zehrt. Bei ei­ner Retourenquote von 75 % über­stei­gen die Abwicklungskosten be­reits den Deckungsbeitrag.

Umgekehrt: aus­ge­hend von ei­ner Retourenquote von 50 % er­höht ei­ne Verbesserung auf 45 % Ihren Gewinn um et­wa 12 %.

Fazit

Die durch Retouren ver­ur­sach­ten Kosten sind die größ­te Position in der Gesamtkostenbetrachtung des Fashion-Webshops. Sie über­stei­gen meist sehr deut­lich die Einstandskosten der Waren. Da die Abwicklungskosten über­pro­por­tio­nal zur Retourenquote ver­lau­fen, sind Maßnahmen zur Retourenvermeidung be­son­ders ef­fek­tiv. Die Kontrolle auf „Ausreißer“ bei den Retouren und ei­ne schnel­le Reaktion in der Warensteuerung sind wei­te­re wich­ti­ge Einflussfaktoren für die Wirtschaftlichkeit Ihrer eCommerce-Aktivitäten.

Literatur

Retouren vermeiden - Retourenquote senken

Retouren ver­mei­den – Ertragsbringer Nr. 1

 7 Tipps zur Senkung der Retourenquote

 

 

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