Aufgaben und Ziele der Finanz- und Liquiditätsplanung

publiziert am 11. September 2014 von Winfried Eitel

Finanzplanung und LiquiditätsplanungPlanung be­deu­tet, sich Gedanken über die Zukunft zu ma­chen und dar­aus Handlungen ab­zu­lei­ten. Die Liquiditätsplanung stellt die Fragen: “Wie steht es um die der­zei­ti­ge Liqudität und wie wird sie sich zu­künf­tig ent­wi­ckeln?” Jedes Unternehmen muss die­se Fragen für sich be­ant­wor­ten, wenn es den Gang zum Insolvenzverwalter ver­mei­den möch­te.

Ermitteln des Kapitalbedarfs

Die Schwierigkeit bei der Liquiditätsplanung be­steht dar­in, al­le Ein- und Auszahlungen ge­nau zu er­fas­sen. Dies ge­lingt nur durch ei­ne kon­se­quen­te, sys­te­ma­ti­sche  Vorgehensweise. In je­dem Unternehmensbereich muss un­ter­sucht wer­den, wel­che Zahlungsvolumen er­war­tet wer­den. Besonders wich­tig es, die­se Zahlungsströme den er­war­te­ten Planperioden (meis­tens Monate) zu­zu­ord­nen.

Je Planperiode muss dann die Differenz zwi­schen Einzahlungen und Auszahlungen er­mit­telt wer­den. Bei ei­nem ne­ga­ti­ven Saldo –  die Auszahlungen sind hö­her als die Einzahlungen –  stellt sich zwangs­läu­fig die Frage, wo­mit die­se Unterdeckung aus­ge­gli­chen wer­den soll. An die­ser Stelle er­folgt der Übergang von der Liquiditätsplanung zur Finanzplanung.

Regelkreis des Controlling

Der Übergang von der Liquiditätsplanung zur Finanzplanung

Aufgabe der Finanzabteilung: Fehlende Liquidität muss be­schafft, über­schüs­si­ges Geld muss an­ge­legt wer­den.

Nachdem die Liquiditätsplanung die Differenz zwi­schen Einzahlungen und Auszahlungen er­mit­telt hat, be­schäf­tigt sich die Finanzplanung mit al­len Fragen rund um das Kapital. Anhand der Finanzplanung er­folgt die op­ti­ma­le Beschaffung von Fremd- und Eigenkapital. Dies nennt man auch “Finanzierung”.

Weitere Aufgaben der Finanzplanung sind Anlagestrategien für der­zeit nicht be­nö­tig­te Geldmittel zu ent­wi­ckeln.

Das Girokonto als Puffer der Finanzplanung

Jedes Unternehmen be­nö­tigt für die Abwicklung des Geschäftsverkehrs ein Konto bei sei­ner Hausbank. Einzahlungen und Auszahlungen wer­den dar­über ab­ge­wi­ckelt. Der Saldo des Kontos ver­än­dert sich täg­lich, das Konto “at­met” mit den Vorgängen im Unternehmen. Mit der Hausbank wird meist ei­ne kla­re Kreditlinie ver­ein­bart, bis zu der das Konto über­zo­gen wer­den darf: der Kontokorrentkredit. Das Girokonto für Unternehmen wird des­halb auch als “Kontokorrentkonto” be­zeich­net.

Solange sich der Saldo des Kontokorrentkontos im Rahmen der Kreditlinie be­wegt, ist die Situation un­dra­ma­tisch, auch wenn na­tür­lich ho­he Zinskosten ent­ste­hen.

Wenn der ne­ga­ti­ve Saldo auf den Konto die Kreditlinie über­schrei­tet, droht die Zahlungsunfähigkeit, da die Bank dann bei­spiels­wei­se Lastschriften zu­rück­ge­hen lässt. Neben dem fi­nan­zi­el­len Schaden durch ho­he Zinsen kom­men dann auch noch Reputationsschäden hin­zu.

Das  Kreditlimit des Unternehmens muss mit dem Saldo der Einzahlungen und Auszahlungen ab­ge­stimmt sein.

Zukünftige Bedrohungen sehen

Ist das Kreditlimit des Unternehmens be­reits aus­ge­reizt, ist der Handlungsspielraum für das Unternehmen meis­tens sehr ein­ge­schränkt. Mit ei­ner gu­ten Finanz- und Liquiditätsplanung er­langt das Unternehmen ei­ne Sicherheit und ei­nen “Blick in die Zukunft”. Problemsituationen wer­den recht­zei­tig er­kannt und es kann re­agiert wer­den, lan­ge be­vor der Engpass auf­tritt. So kön­nen früh­zei­tig Gespräche mit der Hausbank ge­führt und Handlungsspielräume ver­ein­bart wer­den.

Eine an­ge­mes­se­ne Finanz- und Liquiditätsplanung bringt dem Unternehmer vie­le ent­schei­dungs­re­le­van­te Daten. Aber es liegt in der Natur der Dinge: die ge­plan­ten Werte wer­den nie der tat­säch­li­chen Ist-Situation ent­spre­chen.

Analyse der Abweichungen

Die Liquidität wird in der Realität bes­ser oder schlech­ter sein, als in der Planung er­mit­telt. Deshalb müs­sen die Planungswerten re­gel­mä­ßig mit den ak­tu­el­len Istwerten ver­gli­chen wer­den. Die Abweichung von Plan- und Istwerten muss ana­ly­siert wer­den:

  • Wie groß ist die Abweichung ab­so­lut und in % vom Planbetrag?
  • Warum ist die Abweichung ent­stan­den?
  • Sind dar­aus zu­künf­ti­ge Fehlentwicklungen ab­zu­lei­ten?
  • Was muss jetzt ge­tan wer­den, um die Abweichung zu be­sei­ti­gen?

Gegensteuerungsmaßnahmen einleiten

Aus der rich­ti­gen Analyse der Abweichungen kön­nen ef­fek­ti­ven Korrekturmaßnahmen ab­ge­lei­tet wer­den. Somit ent­steht aus der Liquditätsplanung ei­ne Liquiditässteuerung, die ak­ti­ves Management er­mög­licht: Frühzeitiges Erkennen von Problemen, de­ren Ursachen und die Einleitung von Gegenmaßnahmen.

Aktive Unternehmenssteuerung durch Planung

Eine gu­te Planung ist die Voraussetzung für je­de Unternehmenssteuerung. Denn sind be­reits die Planwerte und die zu­grun­de lie­gen­den Annahmen falsch, sind Folgefehler im Management die au­to­ma­ti­sche Konsequenz. Die Hauptschwierigkeit liegt in der Erarbeitung ei­ner rich­ti­gen Planung. Sind die not­wen­di­gen Strukturen de­fi­niert, ist die spä­te­re Istdaten-Erfassung ent­spre­chend leich­ter.

Veröffentlicht in Allgemein, Businessplan, Finanzierung, Unternehmer Getagged mit: ,
2 Kommentare zu “Aufgaben und Ziele der Finanz- und Liquiditätsplanung
  1. Vielen Dank Andrej. Sie ha­ben recht!
    Eigentlich soll­ten das aber al­le Unternehmer be­her­zi­gen! 😉

  2. Andrej sagt:

    Finde den Beitrag echt klas­se! Vor al­lem den Satz “Eine gu­te Planung ist die Voraussetzung für je­de Unternehmenssteuerung” soll­ten sich ALLE Unternehmensgründer hin­ter die Ohren schrei­ben!

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