7 Gründe, warum Unternehmen kein Controlling brauchen

zuletzt aktualisiert am 5. Dezember 2016 von Winfried Eitel

Studien zeigen, dass Unternehmen mit einem passenden Controlling mittel- und langfristig besser abschneiden, als Unternehmen ohne diese Instrumentarien. Warum funktioniert Controlling dennoch vielfach nicht?

Mein Unternehmen funktioniert auch ohne Controlling!

Solange keine Insolvenz erfolgt, ist das vielleicht richtig. Aber es stellt sich die Frage, ob mit Controlling Schwierigkeiten, Probleme und Erfolgschancen rechtzeitig hätten erkannt werden können, und damit die Einleitung von Gegenmaßnahmen viel früher erfolgen könnte. Ein funktionierendes Controlling verlängert in erheblichem Maße die Zeiträume, in denen neue Lösungsmöglichkeiten gesucht, gefunden und umgesetzt werden können. Brände können am schnellsten gelöscht werden, wenn sie gerade entstehen!

Die Planung stimmt sowieso nicht!

Die Annahme, dass die Planung „stimmen“ muss, geht vom Gedanken aus, dass nur eine möglichst exakte Einhaltung der Planung die Richtigkeit des Planes beweist. Diese Argumentation lehnt sich an die Aufgabe der Buchhaltung an, genau zu arbeiten. Übersehen wird dabei, dass nur die Abweichungen vom Plan, Aussagen über das festgelegte Ziel (der Plan) und die damit getroffenen Annahmen erlauben.

Über die Analyse der Abweichungen lassen sich Aussagen zu Maßnahmen treffen, die es erlauben, frühzeitig erforderliche Gegensteuerungsmaßnahmen einzuleiten. Nicht die Exaktheit des Planes ist ausschlaggebend, sondern die Analyse der Abweichungen. Es ist deshalb auch nicht nötig, bei Abweichungen sofort hektisch den Plan neu zu überarbeiten, um ihn, ständig zurückschauend, an die eingetretenen Entwicklungen anzupassen. Nicht der Plan ist falsch, sondern die Wirklichkeit weicht davon ab!

Controlling bedeutet Kontrolle!

Leider werden im deutschsprachigen Raum die Begriffe „Controlling“ und „Kontrolle“ häufig verwechselt. Der englische Begriff „to control“ bedeutet jedoch steuern, lenken. Aufgrund dieser Verwechslung wird der wesentliche Aspekt des Controllings nicht erkannt und Controlling als eine „bessere“ Art der Buchhaltung angesehen.

Controlling (Unternehmenssteuerung) ist immer in die Zukunft gerichtet und unterstützt die vorausschauende Steuerung der Unternehmensentwicklung und des Unternehmensergebnisses.

Kontrolle (Buchhaltung) ist rückwärts in die Vergangenheit gerichtet. Es vollzieht nur Vorgänge nach, die bereits passiert sind und in Belegform (Rechnung) vorliegen.  Das ist kein Controlling!

Unsere Buchhaltung kann das!

Die Aufgaben der Buchhaltung sind darauf ausgerichtet, Vorgänge exakt, nachvollziehbar und zeitnah zu bearbeiten. Das Controlling arbeitet dagegen mit Erwartungen, Einschätzungen, Prognosen und unsicheren Faktoren, deren Eintreten oft nur als wahrscheinlich angenommen werden kann. Zeitpunkt und Umfang können häufig nur ungefähr quantifiziert werden.

Mitarbeiter der Buchhaltung sind normalerweise nicht dafür ausgebildet, aus Einschätzungen vorausschauende Beurteilungen für die Entwicklung des Unternehmensergebnisses zu erstellen. Mit der Folge, dass die Aussagekraft der vermeintlichen „Controlling-Auswertungen“ keine oder nur eine geringe Qualität aufweist. Die wesentliche Frage wird nicht beantwortet: Wie wirken sich Entscheidungen auf das Unternehmen und seinen Gewinn aus? Buchhaltung und Buchhalter haben andere Funktionen und Kenntnisse!

Fachlich qualifizierte Mitarbeiter fehlen!

Es fehlt die Bereitschaft der Inhaber und Geschäftsleitungen Mitarbeiter mit den entsprechenden fachlichen Qualifikationen einzustellen und Ihnen die notwendigen Kompetenzen zu geben. Controlling verlangt die Lösung komplexer Aufgabenstellungen, deshalb ist es nicht damit getan, Mitarbeiter auf Schulungen zu schicken, um Controlling zu „lernen“. Um die Aufgaben erfüllen zu können, ist nicht nur ein umfassendes theoretisches betriebswirtschaftliches Wissen erforderlich, sondern auch eine praktische Vorgehensweise und „Fingerspitzengefühl“ bei der Durchsetzung von Zielen. Controlling erfordert mehr als nur theoretisches Wissen. Es erfordert das „Überzeugen können“ der Mitarbeiter bei der Erarbeitung von Zielen und deren Umsetzung. Fachliches Wissen allein genügt nicht!

Meine Bank will Controlling in meinem Unternehmen!

Im Zuge von Basel II und Rating verlangen die Hausbanken zunehmend Aussagen zur Zukunft des Unternehmens und die geplanten Wege zur Erreichung der Ziele. Anstatt sich aktiv über die Entwicklung des Unternehmens Gedanken zu machen, wird das Ansinnen der Kreditinstitute als Einmischung in die inneren Angelegenheiten angesehen und auf die gut funktionierende Buchhaltungs- („Controlling-“) -abteilung verwiesen, die die Lage bestens im „Griff“ hat.

Diese Aussage wiederum verleitet die Bank zur nachdrücklichen Forderung, sich über die Einführung von Controlling Gedanken zu machen und verschlechtert ihrerseits die Bonitätsbeurteilung im Rahmen des bankinternen Rating aufgrund fehlender Transparenz in den vorgelegten Unternehmensunterlagen. Wenn zwei vom Gleichen reden, ist es noch längst nicht dasselbe!

Mein Unternehmen ist zu klein!

Die Anforderungen des Controlling sind an das Unternehmen anzupassen und nicht umgekehrt! Controlling ist kein Selbstzweck zur Beschäftigung von Mitarbeitern, sondern klare Zweckbestimmung zur Steuerung des Unternehmens. Deshalb unterscheiden sich, je nach Unternehmensgröße, vielleicht die Vielfalt der Analysen, jedoch nie die strikte Ausrichtung auf die zukünftige Unternehmensentwicklung.

Fazit

Bei den genannten Gründen gegen die Einführung eines Controllings handelt es sich um Missverständnisse, was unter Controlling zu verstehen ist oder es sind schlichtweg Ausreden, damit man sich „nicht damit auch noch“ beschäftigen muss.

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