Schwarzarbeit: verblüffende Rechnung für Unternehmer

zuletzt aktualisiert am 17. Oktober 2017 von Winfried Eitel

Schwarzarbeit lohnt oft nicht!

Lohnt sich Schwarzarbeit? Wird man durch Schwarzarbeit schnel­ler reich? In man­chen Gewerken ge­hö­ren die “Brutto-Netto-Verwechsler” zur Tagesordnung. Auch die Kunden fra­gen un­ver­hoh­len: “Was kos­tet es denn oh­ne Rechnung?” Schwarzarbeit zählt in vie­len Köpfen un­ver­än­dert als “Kavaliersdelikt”. Das ist Schwarzarbeit aber schon lan­ge nicht mehr.

Strafen und Bußgelder bei Schwarzarbeit

Die Strafen und Bußgelder rei­chen von Geldstrafen (bis zu 500.000 Euro) bis zu Freiheitsstrafen (bis zu 10 Jahren). Gegebenenfalls kom­men noch um­fang­rei­che Regress- oder Haftungsansprüche hin­zu (bei­spiels­wei­se bei Arbeitsunfällen oder Schadensfällen). Das ver­meint­lich “gu­te Geschäft” kann (nicht nur) den Unternehmer teu­er zu ste­hen kom­men.

Mit ei­ner Richtungsänderung in der Rechtssprechung ha­ben die obers­ten Bundesrichter des Bundesgerichtshofes (BGH) ent­schie­den, dass Unternehmer, die be­wusst ge­gen das Schwarzarbeitergesetz ver­sto­ßen, kei­nen Anspruch auf Bezahlung ih­rer Arbeit ha­ben (Az.: VII ZR 241/13).

Auf der an­de­ren Seite hat­te das Gericht ge­gen ei­nen Kunden ent­schie­den. Danach ste­hen Kunden kei­ne Nachbesserungsansprüche zu, wenn die schwarz er­brach­te Leistung nicht or­dent­lich ge­macht wird (Az.: VII ZR 6/13). Also ist die Beschäftigung von Schwarzarbeitern auch für den Auftraggeber ein grö­ße­res Risiko ge­wor­den.

Dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz (SchwarzArbG) zu­fol­ge ist der Abschluss von Verträgen grund­sätz­lich ver­bo­ten, wenn ei­ne Vertragspartei ih­ren steu­er­li­chen Pflichten nicht nach­kommt, die sich aus der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Werkleistung er­ge­ben.

Mängelansprüche schei­den bei die­sen nich­ti­gen Verträgen grund­sätz­lich aus. (Vgl. Handwerk.com)

Typische Branchen für Schwarzarbeit

Die “ty­pi­schen” Branchen Bau, Renovierung, Reparaturen sind hin­läng­lich be­kannt. Aber selbst im Nachhilfe- und Musik-Umfeld fin­det man sehr viel Schwarzarbeit.

Wo wird schwarz gearbeitet?

Lohnt sich Schwarzarbeit tat­säch­lich? Und für wen?

Nutznießer der Schwarzarbeit

Aber wer ist ei­gent­lich Nutznießer die­ser Abrechnungsmethode? Erstaunlicherweise ist es in man­chen Situationen gar nicht der Unternehmer selbst, der hier­von ei­nen Vorteil hat. Das ver­blüfft.
Gerade bei knapp kal­ku­lier­ten Aufträgen sucht man­cher Unternehmer sein Heil in der Schattenwirtschaft. Statt des ver­meint­li­chen Mehrgewinns ver­bleibt beim Unternehmer je­doch manch­mal nur das er­höh­te Risiko “auf­zu­flie­gen” – mit den sich dar­aus er­ge­ben­den Konsequenzen.

Die fol­gen­de Beispielrechnung zeigt die mög­li­chen Effekte bei Schwarzarbeit:

  • der Kunde spart die Mehrwertsteuer
  • die Mitarbeiter kas­sie­ren “brut­to für net­to”: oh­ne Lohnsteuer und Sozialabgaben
  • der Unternehmer zahlt beim Material die Mehrwertsteuer aus ei­ge­ner Tasche und hat des­halb ins­ge­samt nicht mehr ver­dient.

Vergleichsrechnung für Schwarzarbeit aus Sicht des Unternehmers

Brutto-Netto-Rechner re­gu­lär “schwarz”
Kunde zahlt: 5.950,00 5.000,00
Umsatz Unternehmer 5.000,00 5.000,00
Material -2.850,00 -3.391,50
Personalkosten -1.000,00 -1.000,00
Arbeitgeber-Anteil (20 %) -200,00 0,00
Gewinn vor Steuern 950,00 608,50
Ertragsteuer (35%) -332,50 0,00
Netto-Gewinn 617,50 608,50

Das ist si­cher­lich ein Grenzfall – aber ge­ra­de bei ho­hem Materialeinsatz fällt der ver­meint­li­che Steuervorteil gar nicht mehr so hoch ins Gewicht. Durch den bei der Schwarzarbeit nicht ge­nutz­ten Vorsteuer-Effekt wird der ver­meint­li­che Vorteil bei der Einkommensteuer aus­ge­gli­chen. Für den Unternehmer be­deu­tet Schwarzarbeit dann eher ein Nullsummenspiel.

Der Unternehmer bringt durch die ein­ge­gan­ge­nen Risiken sei­nen Kunden und Mitarbeitern ei­ne Ersparnis – sel­ber geht er aber mit­un­ter leer aus. Lohnt sich Schwarzarbeit?

Schwarzarbeit bringt dein Geschäft in Schwung?

Die Gewerbeordnung (§ 35 Abs. 1 GewO) sieht so­gar vor, un­zu­ver­läs­si­gen Unternehmern die  Ausübung ei­nes Gewerbes ganz oder teil­wei­se zu un­ter­sa­gen. Mit an­de­ren Worten: Unternehmen, die mit Schwarzarbeit auf­ge­fal­len sind, droht die Schließung ih­res Geschäftes. Dann ist der “Schwung” ganz schnell ver­schwun­den.
Das al­te Torfrock-Lied “Ordnungswidrigen Beschäftigung bringt dein Geschäft in Schwung” darf ge­trost in der Klamauk-Ecke ver­wen­det wer­den. Aber bit­te nur da!

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