Outsourcing: Wohl oder Übel bei Organisationsentscheidungen?

zuletzt aktualisiert am 18. Dezember 2016 von Winfried Eitel
Unter Outsourcing versteht man das Auslagern von ursprünglich firmenintern erbrachten Dienstleistungen an Dritte.Ziele, Varianten, mögliche Fehlerquellen, Vorteile und Nachteile beim Outsourcing

Unter Out­sour­cing ver­steht man das Aus­la­gern von ursprüng­lich fir­men­in­tern erbrach­ten Dienst­leis­tun­gen an Drit­te. Das out­sour­cen­de Unter­neh­men bestimmt den Umfang des Aus­la­gerns: es kön­nen sowohl ein­zel­ne Funk­ti­ons­be­rei­che als auch zusam­men­hän­gen­de, kom­ple­xe Auf­ga­ben betrof­fen sein.

Bekannt wur­de Out­sour­cing in den 60er Jah­ren durch die Aus­la­ge­rung von Fer­ti­gungs­pro­zes­sen in der Tex­til­in­dus­trie. In den 80er Jah­ren erlang­te der Begriff durch Aus­la­ge­rungs­ver­trä­ge in der Daten­ver­ar­bei­tung Bekannt­heit und war lan­ge Zeit vor­herr­schend in der IT-Branche.

Mitt­ler­wei­le wird Out­sour­cing in fast allen Wirt­schafts­zwei­gen ein­ge­setzt. Die häu­figs­ten Berei­che sind Pro­duk­ti­on, Sicher­heit, Trans­port, IT und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie.

Ziele des Outsourcing

Durch die “Kon­zen­tra­ti­on auf das Kern­ge­schäft” soll in der Regel vor allem eine Redu­zie­rung der Kos­ten erzielt wer­den. Auch die Effi­zi­enz der inter­nen Arbeits­ab­läu­fe soll ver­bes­sert werden.Die fle­xi­ble­ren Betriebs­struk­tu­ren und die Ver­bes­se­rung der eige­nen Boni­tät bei Kre­dit­ge­bern sind eben­falls häu­fi­ge Zie­le.

Ausprägungen des Outsourcing

Man kann Out­sour­cing in zwei grund­sätz­li­chen Aus­prä­gun­gen betrei­ben:

  • voll­stän­di­ge Aus­la­ge­rung an Dritt­fir­men oder
  • Koope­ra­ti­on mit Part­ner­fir­men.

Dies bedeu­tet also im ers­ten Fall eine voll­stän­di­ge Aus­la­ge­rung ein­zel­ner Arbeits­ab­läu­fe an einen exter­nen Dienst­leis­ter und dem Auf­bau neu­er Kapa­zi­tä­ten (z.B. Aus­la­ge­rung des Designs für ein­zel­ne Pro­dukt­grup­pen an Fre­e­lan­cer). Bei einer Koope­ra­ti­on wer­den bereits bestehen­de Struk­tu­ren bzw. Lösun­gen des Dienst­leis­ters genutzt und die eige­nen Abläu­fe an die­se Lösung ange­passt (z.B. Nut­zung eines Spe­di­teurs statt eige­nem Fuhr­park).

Neben die­sen bei­den Haupt­ty­pen fin­det man in der Pra­xis häu­fig Misch­for­men, bei der die Dritt­fir­men auf Grund ihrer spe­zi­fi­schen Erfah­rung auch in Pro­zes­se der Ent­schei­dungs­fin­dung mit ein­be­zo­gen wer­den.

Mögliche Fehlerquellen beim Outsourcing

  • unzu­rei­chen­de Berück­sich­ti­gung der eige­nen Unter­neh­mens­stra­te­gie
  • par­al­le­le Arbeits­ab­läu­fe ver­rin­gern die Effi­zi­enz
  • fir­men­in­ter­ne Res­sour­cen wer­den nicht aus­rei­chend aus­ge­schöpft.
  • die Wett­be­werbs­si­tua­ti­on am Markt wird nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt
  • feh­len­der Pro­jekt­plan bzw. unge­nü­gen­der Detail­lie­rungs­grad
  • Umset­zung des Out­sour­cing vor Been­di­gung der Situa­ti­ons­ana­ly­se bzw. feh­len­de Ana­ly­se

Vorteile des Outsourcing

  • Kos­ten­re­du­zie­rung
    (20% als Min­dest­vor­aus­set­zung zur Rea­li­sie­rung von Out­sour­cing)
  • Gerin­ge­re Kapi­tal­bin­dung
    (Ent­las­tung der Bud­gets durch Aus­la­ge­rung und zu erwar­ten­de hohe Ein­spa­run­gen an Per­so­nal­kos­ten)
  • Kon­zen­tra­ti­on auf das so genann­te Kern­ge­schäft
    (frei wer­den­de Res­sour­cen für die Haupt­auf­ga­ben durch Aus­la­ge­rung von zeit­in­ten­si­ven Arbeits­ab­läu­fen)
  • Stei­ge­rung der Qua­li­tät
    (Nut­zung des Fach­wis­sens der Fremd­fir­ma)
  • Trans­pa­renz der lau­fen­den Kos­ten
    (Offen­le­gung ver­steck­ter und bis­lang nicht nach­voll­zieh­ba­rer Kos­ten­an­tei­le durch Aus­la­ge­rung)
  • Mini­mie­rung von Risi­ken
    (Trans­fer von Risi­ken auf die Dritt­fir­ma)

Nachteile des Outsourcing

  • Chan­ge Manage­ment
    (geän­der­te Abläu­fe erfor­dern neue Fähig­kei­ten der Mit­ar­bei­ter)
  • Erfor­der­li­ches Mit­spra­che­recht fehlt
    (gegen­über der Fremd­fir­ma, um Zugriff auf alle Abläu­fe gewähr­leis­ten zu kön­nen)
  • Ver­lust von eige­nem Wis­sen und Fer­tig­kei­ten
    (durch voll­stän­di­ge Über­nah­me bis­her betriebs­in­ter­ner Abläu­fe durch Drit­te geht eige­nes Exper­ten­wis­sen dau­er­haft ver­lo­ren)
  • Abhän­gig­keit von der Fremd­fir­ma
    (Steue­rung und Kon­trol­le der Fremd­fir­ma weit­aus pro­ble­ma­ti­scher als bei unter­neh­mens­in­ter­nen Abläu­fen)
  • lang­fris­ti­ge Ver­trä­ge
    (vor­herr­schen­de Ver­trags­dau­er liegt bei min­des­tens fünf Jah­ren, dadurch nur gerin­ge Mög­lich­kei­ten der Tren­nung im Fal­le einer nega­ti­ven Ent­wick­lung)
  • unzu­rei­chen­der Schutz betriebs­in­ter­ner Daten (Know How, Paten­te, Kun­den­da­ten etc.)
    (Sicher­heit der sen­si­blen Daten bei Zusam­men­ar­beit mit Fremd­fir­men durch gerin­ge­re Kon­troll­mög­lich­kei­ten in höhe­rem Maße gefähr­det, als im eige­nen Unter­neh­men)

Literaturempfehlung

 

 

Winfried Eitel

Betriebswirtschaftliche Beratung und Dienstleistung bei amortisat' e.K.

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