Ishikawa: mit “Fischgräten” zur Problemlösung

publiziert am 30. September 2016 von Winfried Eitel

Ishikawa - Fischgrät - DiagrammTreten im betrieblichen Alltag Probleme auf, so wird oft die „erstbeste“ Erklärung für das aufgetretene Problem angegangen. Dieser unüberlegte Aktionismus  ist aber meistens nicht zielführend. Das kommt Ihnen bekannt vor? Dann probieren Sie doch einmal, ein „Fischgrät-Diagramm“ zu erstellen. Die auch als Ishikawa bekannte Methode ermöglicht eine tiefer gehende Analyse der verschiedensten Einflussfaktoren und damit das Einleiten von wirksamen Gegensteuerungsmaßnahmen. Wir stellen Ihnen eine Schritt-für-Schritt-Anleitung sowie eine Excel-Vorlage zur Verfügung.

Ishikawa-Methode zur Lösung betrieblicher Probleme

Mit „Fischgräten“ zur Problemlösung

Das Ishikawa-Diagramm (oft auch sehr anschaulich als Fischgrät-Diagramm bezeichnet) ist eine graphische Darstellung von Ursachen, die ein Ergebnis oder ein Problem maßgeblich beeinflussen. Mittels des Diagramms sollen alle Problemursachen identifiziert und dokumentiert werden. Die Zerlegung in Ursachen und Wirkungen und die anschließende Bestimmung der „wichtigsten Ursachen“ sind die Grundlagen für wirkungsvolle Maßnahmen.

Ishikawa - Fischgrät-Diagramm

Im betrieblichen Alltag werden oft „Schnelle Analysen“ („Schnellschüsse“) als Arbeitsgrundlage verwendet, und die „erstbeste“ Erklärung für die auf­ge­tre­tenen Probleme wird angegangen. Das Ishikawa-/Fischgrätendiagramm erfasst nicht nur die offensichtlichen Ursachen, sondern ermöglicht eine tiefer gehende Analyse der verschiedensten Einflussfaktoren.

Die Ishikawa-Methode

  • nutzt die Vorteile des Mind-Mappings
    (Unterstützung der kreativen Arbeitsweise des Gehirns, Visualisierung),
  • verwendet die Brainstorming-Methode
    (verschiedene Sichten werden eingebracht und mit einander in Beziehung gesetzt),
  • erlaubt ein strukturiertes Vorgehen, das Abhängigkeiten aufzeigt und
  • eignet sich für die Arbeit in (Klein-) Gruppen wie auch für die Einzelarbeit

Nutzen, Ziele und Vorteile der Ishikawa-Methode

Die Ishikawa-Methode ist sowohl im Team als auch alleine anwendbar, sie stellt eine Form eines gesteuerten Brainstormings dar. Der Vorteil zum „normalen“ Brain­storming liegt darin, dass mögliche Einflussbereiche genannt werden, an denen sich die Teilnehmer bei der Ursachenfindung orientieren können.

Dies sind die Vorteile der Ishikawa-Methode:

  • detaillierte Sammlung von Ursachen für Probleme
  • Darstellung der Wirkungszusammenhänge von Problemen
  • übersichtliche grafische Darstellung
  • Methode zur visuellen Erarbeitung von Ursachen im Team
  • sinnvolle Strukturierung von Prozessen
  • leicht einsetzbar und erlernbar

Die Ishikawa-Methode unterstützt ein Team, alle möglichen Ursachen eines Problems oder Zustands mit einem zunehmenden Grad an Teil- und Nebenursachen herauszufinden. Durch die Erfassung des gemeinsamen Wissens der Teammitglieder sind alle für das Team denkbaren Einflussfaktoren abgedeckt, und es herrscht Einigkeit, dass aufgrund dieses Ergebnisses die Lösungen erarbeitet werden sollten. Es besteht also ein Konsens über die möglichen Ursachen, womit das Team auf diese und nicht auf Symptome ausgerichtet ist. Die Problemstellung wird fundiert angegangen.

Die Team-Mitglieder für die Erstellung eines Ishikawa-Diagramms kommen idealerweise aus allen an einem Problem beteiligten Abteilungen und Bereichen.

Wie geht man vor?

Die Ishikawa-Methode ist schnell erlernbar und einfach in der Praxis anwendbar.

Um ein Ishikawa Diagramm zu erstellen, eignen sich insbesondere große Arbeits­flächen aus Papier, beispielsweise zwei nebeneinander aufgehängte Flip­chart­bögen oder ein großer Bogen Packpapier für die Metaplanwand. Je mehr Platz, desto besser.

Sinnvoll ist ein schrittweises Vorgehen:

  • Schritt 1 
    Rechts neben dem zentral angeordneten Pfeil („Rückgrat“), wird das zu bearbeitende Problem konkret und möglichst kurz formuliert.
  • Schritt 2  
    Vom „Rückgrat“ gehen schräg nach oben und unten Einflussgrößen (Pfeile) weg (die „Gräten“).
    Üblicherweise werden folgende 4 Einflussgrößen unterschieden:
    Maschine: Werkzeuge, Geräte etc.
    Material: Werkstoffe, Rohmaterialien, Daten, Informationen, Zulieferer etc.
    Mensch: Fähigkeiten und Verhalten beteiligter Personen
    Methode: Arbeitsweise, Prozesse, Strukturen, Arbeitsumfeld, Genehmigungsverfahren etc.Weitere mögliche Einflussgrößen sind:
    Money:   steht Budget für mögliche Änderungen/ Inves                      titionen zur Verfügung?
    Mitwelt/Milieu: gesetzliche Vorschriften, Kundenverhalten, Konkurrenz etc.
    Messung: eingesetzte Messmittel, Methoden etc.
    Management: Unternehmensgrundsätze, strategische Entscheidungen etc.
  • Schritt 3    
    Die Ursachen werden mit Hilfe der Brainstorming-Methode erarbeitet und als horizontale Pfeile der jeweiligen „Gräte“ zugeordnet.
  • Schritt 4 
    Auf die Ursachen-Pfeile können wiederum schräg verlaufende Ursachen-Pfeile angeordnet werden.
    Zur Präzisierung der Ursachen lässt sich Schritt 4 beliebig wiederholen. Die Erfahrung zeigt, dass durch 3- bis 5-maliges Stellen der Frage „Warum“ die Wurzel des Problems entdeckt wird.
  • Schritt 5   
    Bewertung der identifizierten Ursachen (z.B. mittels einer Punktabfrage, bezüglich Einfachheit oder Wirksamkeit der Behebung)
  • Schritt 6     
    Vereinbaren konkreter Maßnahmen zur Ursachenbekämpfung und somit zur Problembeseitigung resp. -reduktion.

Excel-Vorlage für ein Ishikawa-Diagramm

Verwenden Sie gerne die folgende Ishikawa-Vorlage für Excel.

Download (XLSX, 15KB)

Fazit

Ein wichtiger Schritt in einem Problemlösungsprozess ist die Identifikation von Ursachen. Sind diese erst einmal gefunden, so können sie zielgerichtet beseitigt werden. Das „Herumdoktern“ an Symptomen und Nebensächlichkeiten wird vermieden.

Der Einsatz der Ishikawa-Methode vermeidet sehr effektiv „Schnellschüsse aus der Hüfte“. Damit nicht nur Vermutungen der Teilnehmer abgebildet werden, werden die kompetente Besetzung des Teams mit Experten und eine kompetente Moderation vorausgesetzt.

Literatur

Problemlösung im Projekt

Die sieben Werkzeuge zur Qualitätssicherung

Veröffentlicht in Controlling, Projektmanagement, Unternehmer

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