Reisekostenreform ab 01.01.2014

zuletzt aktualisiert am 2. Januar 2016 von Winfried Eitel

Reisekostenreform ab 01.01.2014Das seit 2014 gel­ten­de Reisekostenrecht soll die steu­er­li­chen Regeln für Reisekosten ein­fa­cher und rechts­si­che­rer ma­chen. Das Bundesfinanzministerium sieht das neue Reisekostenrecht als Beitrag zu ei­ner ein­fa­che­ren Unternehmensbesteuerung. Es ent­las­te zu­dem die Steuerzahler um rund 220 Millionen Euro.

Änderungen im Reisekostenrecht ab 1.1.2014

Bei Pendlerpauschale, Verpflegungssätzen und Reisekosten ste­hen ei­ni­ge Neuerungen ins Haus. Der Begriff der „re­gel­mä­ßi­gen Arbeitsstätte“ wird durch die „ers­te Tätigkeitsstätte“ ab­ge­löst. Das kann – ge­ra­de für Mitarbeiter und Selbstständige mit Firmen-PKW – er­heb­li­che Auswirkungen ha­ben.

Die Änderungen ha­ben ei­ne Reihe von Konsequenzen in den Unternehmen: von Neudefinitionen in Arbeitsverträgen und Dienstanweisung, über Änderungen der Reiserichtlinien bis hin zu ge­än­der­ten Aufzeichnungspflichten des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers.

Erste Tätigkeitsstätte (Grundlage § 9 Abs. 4 EStG (n.F.))

ist ei­ne orts­fes­te be­trieb­li­che Einrichtung,

  • des Arbeitgebers,
  • ei­nes ver­bun­de­ne Unternehmens oder
  • ei­nes vom Arbeitgeber be­stimm­ten Dritten, der der Arbeitnehmer dau­er­haft zu­ge­ord­net ist (Leiharbeit).

Der Arbeitnehmer soll un­be­fris­tet für die Dauer des Dienstverhältnisses oder über ei­nen Zeitraum von 48 Monaten hin­aus an ei­ner sol­chen Tätigkeitsstätte tä­tig wer­den.

Die Zuordnung rich­tet sich nach der dienst- und ar­beits­recht­li­chen Festlegung bzw. nach Absprachen und Weisungen. (Dies ist dann auch für das Finanzamt ver­bind­lich!)

Fehlt die ein­deu­ti­ge Festlegung, so gilt als ers­te Tätigkeitsstätte, die Tätigkeitsstätte, an der der Arbeitnehmer (laut Prognose!)

  • min­des­tens ein Drittel sei­ner ver­ein­bar­ten re­gel­mä­ßi­gen Arbeitszeit tä­tig sein soll oder
  • Typischerweise ar­beits­täg­lich tä­tig wer­den soll oder
  •  Je Arbeitswoche zwei vol­le Arbeitstage tä­tig sein soll.

Erfüllen meh­re­re Tätigkeitsstätten ei­nes Arbeitnehmers die Voraussetzungen, soll die­je­ni­ge Tätigkeitsstätte ers­te Tätigkeitsstätte sein, die der Arbeitgeber be­stimmt. Im Zweifelsfall soll die der Wohnung ört­lich am nächs­ten lie­gen­de Tätigkeitsstätte die ers­te Tätigkeitsstätte sein.

Praxis-Tipp

Unternehmer, die ih­rem Arbeitnehmer ei­nen Firmenwagen über­las­sen, soll­ten recht­zei­tig die Situation ih­res Arbeitnehmers klä­ren. Die Kosten, die auf Fahrten zur „ers­ten Tätigkeitsstätte“ ent­fal­len, muss der Arbeitgeber als geld­wer­ten Vorteil beim Arbeitslohn ver­steu­ern. Stichwort Pendlerpauschale (Entfernungs-Kilometer – ein­fa­che Strecke).

Arbeitnehmer, die an ver­schie­de­nen Einsatzorten tä­tig sind, kön­nen die an­de­ren Fahrten dann als Geschäftsreise an­set­zen (ge­fah­re­ne Kilometer – ge­sam­te Strecke).

Die Frage könn­te al­so lau­ten: Erst zum Kunden und dann ins Büro?

Nach der ge­setz­li­chen Neuregelung kann der Arbeitgeber al­so in vie­len Fällen Einfluss dar­auf neh­men, ob und wo ei­ne ers­te Tätigkeitsstätte sei­ner Mitarbeiter vor­liegt.

Verpflegungsmehraufwand (Spesen)

Um den Bereich der Verpflegungsmehraufwendungen zu ver­ein­fa­chen, wird die ge­gen­wär­tig gel­ten­de drei­stu­fi­ge Staffelung der ab­zieh­ba­ren Pauschalen und Mindestabwesenheitszeiten durch ei­ne zwei­stu­fi­ge Staffelung (12 und 24 Euro) er­setzt.

An der ma­xi­ma­len Höhe der täg­li­chen Pauschale ha­ben sich da­durch kei­ne Änderungen er­ge­ben, sie wird aber be­reits bei we­ni­ger Stunden Reisezeit er­reicht.

Bisheriges Modell:

8-14 h = 6 € 14 h -24 h = 12 € 24 h = 24 €

Neues Modell für die Verpflegungspauschalen ab 1.1.2014

Eintägige Reisen

ab 8 h = 12 €

Mehrtägige Reisen

An- und Abreisetag
(Stunden ir­rele­vant)
= 12 €

gan­zer Tag
=24 €

Von der neu­en Regelung pro­fi­tie­ren vor al­lem Mitarbeiter, die vie­le Kurzreisen un­ter­neh­men. Diese er­hal­ten dann bei ei­ner Abwesenheit von 8 -14 Stunden die dop­pel­te Pauschale im Vergleich zu 2013. Bei mehr­tä­gi­gen Reisen er­hal­ten die Mitarbeiter auch für An- und Abreisetage au­to­ma­tisch die hö­he­re Pauschale von 12 €. Ein Zeitnachweis ist da­für nicht er­for­der­lich.

Diese Spesensätze gel­ten für Deutschland. Für Reisen ins Ausland gel­ten die Spesen- und Verpflegungssätze Ausland.

Doppelte Haushaltsführung

Um den Bereich der dop­pel­ten Haushaltsführung zu ver­ein­fa­chen, wird für das Inland auf die Begrenzung der Größe der Unterkunft und auf die Ermittlung der orts­üb­li­chen Vergleichsmiete ver­zich­tet. Stattdessen wird auf die tat­säch­li­chen Unter­kunfts­kosten ab­ge­stellt.

Als Unterkunftskosten für ei­ne dop­pel­te Haushaltsführung im Inland kön­nen da­her zu­künf­tig die dem Arbeitnehmer tat­säch­lich ent­ste­hen­den Aufwendungen für die Nutzung der Unterkunft oder Wohnung an­ge­setzt wer­den, höchs­tens je­doch 1.000 Euro je Monat.

Dieser Betrag um­fasst al­le für die Unterkunft oder Wohnung ent­ste­hen­den Aufwendungen. Zum Beispiel: Miete inkl. Betriebskosten und Pachtgebühren für Kfz-Stell­plätze.

Unterkunftskosten

Die Dauer der Abziehbarkeit der be­ruf­lich ver­an­lass­ten Unterkunftskosten wäh­rend ei­ner Tätigkeit an ei­ner Tätigkeitsstätte, die nicht die ers­te Tätigkeitsstätte ist, wird neu­er­dings eben­falls ge­setz­lich ge­re­gelt.

Beruflich ver­an­lass­te Unterkunftskosten im Rahmen ei­ner sol­chen Tätigkeit sind da­nach in ei­nem Zeitraum von 48 Monaten un­be­schränkt als Werbungskosten ab­zieh­bar. Nach die­sem Zeitraum wer­den sie nur noch bis zur Höhe der ver­gleich­ba­ren Aufwendungen im Rahmen ei­ner dop­pel­ten Haushaltsführung als Werbungskosten be­rück­sich­tigt.

Gültigkeit der neuen Regelungen

Die Änderungen im Reisekostenrecht gel­ten erst­mals ab 1. Januar 2014 bzw. für den Veranlagungszeitraum 2014 bzw.

  • für lau­fen­den Arbeitslohn, der für ei­nen nach dem 31. Dezember 2013 en­den­den Lohnzahlungszeitraum ge­zahlt wird, und
  • für sons­ti­ge Bezüge, die nach dem 31. Dezember 2013 zu­flie­ßen.

BMF-Schreiben zum neuen Reisekostenrecht ab 2014

Am 30.09.2013 ver­öf­fent­lich­te das BMF ein 52seitiges Schreiben mit Anwendungs-Empfehlungen für die Praxis.

Sie kön­nen das BMF-Schreiben zum neu­en Reisekostenrecht hier her­un­ter­la­den

Später er­schie­nen wei­te­re Schreiben zum Reisekostenrecht ab 01.01.2014:

  • BMF Schreiben vom 31.10.2013 zur Erläuterung der Entfernungspauschalen, wel­ches das BMF-Schreiben vom 03.01.2013 er­setzt, al­ler­dings nur die neu­en Begrifflichkeiten über­nimmt
  • BMF-Schreiben vom 11.11.2013 zur steu­er­li­chen Behandlung von Reisekosten und Reisekostenvergütungen (Spesen) bei be­trieb­lich und be­ruf­lich ver­an­lass­ten Auslandsreisen ab 01.01.2014:
    Übersicht über die ab 1. Januar 2014 gel­ten­den Pauschbeträge für
    Verpflegungsmehraufwendungen (Spesensätze) und Übernachtungskosten im Ausland

 

 

 

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2 Kommentare zu “Reisekostenreform ab 01.01.2014
  1. Prima, dan­ke für den Tipp.
    Wird auch wo­an­ders ganz gut be­wer­tet.

  2. Olaf sagt:

    Ich ha­be da­zu noch ei­nen Buchtipp:

    Änderungen im Reisekostenrecht 2013/2014 von Stanley Hinz
    ISBN: 978-3732246472
    Preis: 14,95 EUR

    Echt gut ver­ständ­lich ge­schrie­ben!

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