Finanzierungsengpässe durch Basel III

zuletzt aktualisiert am 7. März 2016 von Winfried Eitel

BASEL III – Sind Sie gewappnet?

Die ursprünglich für den 1. Januar 2013 geplante Banken­regu­lie­rung BASEL III  ist zwar auf­ge­scho­ben, aber nicht aufgehoben. Als neue Starttermine sind der 1. Juli 2013, wahrscheinlicher aber der 1. Januar 2014 im Gespräch. Bereits in der kom­menden Plenarsitzung des EU-Par­la­ments im April könnte die europäische Umsetzung von Basel III (CRD IV)  verabschiedet werden. Viele Firmen kennen zwar das Schlagwort Basel III, wissen aber oft nicht, was sich konkret dahinter verbirgt.

Die wesentlichen Inhalte von Basel III im Überblick:

Die Banken müssen 7 % der „risikogewichteten Aktiva“ (also der Kredite) als hartes „Kern­kapital“ hinterlegen. Bisher lag diese Quote bei lediglich 4%. Es handelt sich also fast um eine Verdopplung. Schon rein mathematisch verteuert das erheblich die Kredit­kosten. Systemrelevante Institute müssen sogar 9,5 % Kernkapital vorweisen.

Die Definition der „risikogewichteten Anlagen“ ergibt, dass hier­unter nahezu sämtliche Kredite fallen. Die Bank muss nachweisen, dass nicht risikogewichtete Anlagen so sicher sind, dass man absolut auf die Rückzahlung vertrauen kann. Wie die jüngste Vergangenheit zeigt, kann man davon ja noch nicht einmal mehr bei Staatsanleihen aus­gehen.

Einfluss auf die Kreditvergabe bei Mittelständlern

Die eigentlich zur Regulierung der Großbanken und zur Vermeidung von Bankenpleiten gedachte Reform hat also unmittelbaren Einfluss auf die Kreditvergabe an die mittelständische Wirtschaft und das Geschäft mit Banken ganz allgemein. Die Banken müssen aus­ge­ge­bene Kredite höher als bisher mit Eigenkapital hinterlegen. Dies hat Auswirkungen auf den Zinssatz und die generelle Kredit­bereit­schaft von Banken.

Viele Mittelständler wissen nicht im Detail, wie ihre Bank die Zahlungsfähigkeit ihres Unternehmen bewertet oder nach welchen Kriterien der Zinssatz eines Darlehens fest­gelegt wird. Nach Schätzungen erfüllen 50-60 Prozent der Mittelständler die durch Basel III geforderten Standards nicht. Probleme treten dann vor allem in der Langfrist-Finanzierung mit einer Laufzeit ab 4 Jahren auf.

Rating entscheidet über Kreditwürdigkeit und Kreditkosten

Kenntnis der Spielregeln gibt den Unternehmen die Chance ihre Kreditzinsen zu op­ti­mieren bzw. eine Ablehnung eines Kredites zu vermeiden. Wer weiterhin zu einigermaßen akzeptablen Bedingungen kreditwürdig bleiben möchte, muss sich um eine Optimierung seines Ratings kümmern. Denn mit der Vergabe der Ratingnote wird über die Kreditwürdigkeit und die Kreditkosten entschieden.

Für den Mittelstand sind hierbei insbesondere folgende Aspekte von besonderer Relevanz:

quantitatives Rating
(harte Faktoren)
(in der Regel Bilanzfaktoren)

  • Eigenkapitalausstattung
  • Rentabilität
  • Dynamik / Trend
qualitatives Rating
(weiche Faktoren)

  • Beurteilung des Unternehmers
  • Kontoführung / Kontinuität
  • Investitionsverhalten
  • Beurteilung der Organisation

Branchenfaktoren

  • Einschätzung der Branche insgesamt
  • Stellung des Unternehmens innerhalb der Branche

Informieren Sie sich!

Alexander Schumann, der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), sieht vor allem kleine und mittlere Firmen nicht so gut auf die Problematik und die notwendigen Veränderungen vorbereitet. Anders als bei größeren Mittelständlern gehe das Thema Finanzen und Finanzierung oftmals unter,  da alle Abteilungen – bis hin zum Geschäftsführer – mit dem Tagesgeschäft ausgelastet seien.

Fragen Sie Ihre Hausbank, welche Auswirkungen Basel III auf Ihr Unternehmen hat. Nehmen Sie Bonitätsbewertungen nicht einfach so hin, sondern lassen Sie sich unbedingt erklären, warum Sie in eine bestimmte Risikoklasse eingestuft wurden. Klären Sie, was zu tun ist, um das eigene Rating zu verbessern. Dazu ist es unerlässlich, dass man die Mechanismen und Einflussgrößen auf die Bewertung kennt.

Sorgen Sie für Transparenz!

Bringen Sie Transparenz in Ihre Geschäftszahlen und informieren Sie Ihre Bank rechtzeitig, zuverlässig und möglichst umfassend. Dabei ist nicht nur die Vergangenheit von Interesse. Die Geschäftsführung sollte die eigenen Planrechnungen (GuV, Liquiditätsrechnung) monatlich prüfen und der Bank regelmäßig zur Verfügung stellen und bei Bedarf erläutern.

Alternativen finden

Die oft als einfachste Variante zu Bankkrediten angesehenen Lieferantenkredite, also das Ver­handeln längerer Zahlungsziele mit den Lieferanten, ist vergleichsweise teuer.  Informieren Sie sich über alternative Finanzierungsformen und prüfen Sie, welche zu Ihrem Unternehmen passen.

Winfried Eitel

Betriebswirtschaftliche Beratung und Dienstleistung bei amortisat' e.K.
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